Buzzword-Burnout: Wenn Begriffe zum Sündenbock werden

Viele Zettel mit Passwords liegen auf einem Tisch

„Nenn es bloß nicht Design Thinking, wenn du mit uns ins Geschäft kommen willst!“

Diesen Satz habe ich in den letzten Wochen öfter gehört. Und ich verstehe ihn. Es herrscht eine tief sitzende Ablehnung gegen Begriffe, die eigentlich mal für gute Ideen standen. Ob Coach, Berater, Customer Experience oder Agilität – viele dieser Wörter sind heute „verbrannt“. Sie lösen keine Begeisterung aus, sondern eine instinktive Abwehrreaktion. Ein Störgefühl, das sich tief im Inneren breit macht. Die Laune sinkt messbar, sobald das „Bullshit-Bingo“ beginnt.

Das Etikett ist nicht der Inhalt

In den letzten Jahren wurden diese Begriffe inflationär gebraucht. Jede Software ist gleich eine „Experience Suite“ oder wahlweise „Cloud“. Oft dienten diese Begriffe nur als schickes Etikett.

Und hier wird es gefährlich: Diese Begriffe sind zu willkommenen Sündenböcken geworden. Wenn etwas im Unternehmen nicht läuft, heißt es schnell: „Design Thinking hat bei uns nicht funktioniert“ oder „Holokratie funktioniert bei uns nicht“. Aber ob wirklich die Konzepte hinter diesen Begriffen – die oft auf nur wenigen Seiten Papier unterschrieben wurden – die Wurzel des Problems sind, bleibt viel zu oft ungeklärt.

Oft ist es einfacher, ein System oder einen Begriff zu feuern, als sich einzugestehen, dass die eigene Führungskultur oder die Umsetzung das Problem war. Wenn man mit Methoden zur Ursachenforschung – wie dem 5-Why-Modell – mal tiefer gräbt, stellt man schnell fest: Hinter dem vermeintlichen Versagen der Methode steckt meistens das, was daraus und damit gemacht wurde.

Die Falle der Interpretation – und deine Selbststeuerung

Begriffe lösen in jedem von uns etwas anderes aus, basierend auf unseren persönlichen Erfahrungen. Wenn du einmal schlechte Erfahrungen mit einem „Berater“ oder „Coach“ gemacht hast, projizierst du das automatisch auf jeden, der diesen Titel trägt. Das ist menschlich, aber es verbaut Chancen.

Mein Plädoyer: Achte auf dein Störgefühl. Wenn du merkst, dass du bei einem Begriff innerlich abblockst: Halte einen Moment inne. Nutze deine Selbststeuerung. Lege den Begriff kurz beiseite und höre weiter zu. Was steckt wirklich dahinter? Welche Lösung wird hier gerade angeboten? Wer direkt abblockt, nur weil das Wording triggert, übersieht vielleicht genau den Mehrwert, den er oder sein Unternehmen gerade dringend braucht.

Fazit: Ergebnisse statt Vokabeln

Hören wir auf, uns an Etiketten abzuarbeiten. Ob man es Agile, Customer Experience, Coaching, Mentoring oder strategische Beratung nennt, ist am Ende völlig egal. Es geht darum, Mehrwert zu schaffen und echte Probleme zu lösen.

Wenn du das nächste Mal merkst, dass ein Begriff bei dir eine Abwehrreaktion auslöst: Schieß nicht den Sündenbock ab, sondern schau auf das, was dahintersteckt. Vielleicht ist es genau das, was du oder dein Unternehmen gerade braucht.

Lass uns über Ergebnisse sprechen, nicht über Vokabeln. Bist du dabei?

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